Die „Dölauer Zeitung“ veröffentlichte im März 2021 unter der Überschrift „Für Dölau ortstypische Straßennamen gesucht“ einen Aufruf zur Einsendung entsprechender Vorschläge. Nach fast einem Jahr möchten wir hier die eingegangenen Vorschläge vorstellen. Gleichzeitig wird die Liste mit den Namen an den Fachbereich Planen, Abteilung Stadtvermessung der Stadt weitergeleitet. Dies ist von besonderer Dringlichkeit, da den Bebauungsplänen der Wohngebiete Salzmünder Straße und Neuragoczystraße vom Planungsausschuss mehrheitlich zugestimmt wurde und die letzte Abstimmung für das Wohngebiet Salzmünder Straße im Stadtrat bevorsteht.


Quelle: www.halle.de/de/Verwaltung/Quartierbueros/Zukunftswerkstaetten/index.aspx
1. Gebrüder Baensch, Franz (1844 – 1934) begründete 1872, ab 1874 zusammen mit seinem Bruder Adolph (1839 – 1928) neben der Dölauer Kirche eine Kaolinschlämmerei, später Ausbau für Produktion von Wasserglas, Schamott- und Formsteinen, ab 1886 Werk II in Neuragoczystraße (Ziegelei) und auswärtige Betriebsstätten sowie landwirtschaftliche Güter, bis zu 700 Angestellte, wirtschaftlicher Niedergang nach 1. Weltkrieg.

2. Wilhelm Bähr, letzter Hauptlehrer und Küster in Dölau, geboren 9.11.1849, war ab 1896 neben dem Kirchenamt zunächst für drei, bei seiner Pensionierung 1911 für 10 Parallelklassen zuständig, sorgte für geordnete Stundenpläne, nach ihm Trennung von Rektor- und Kirchenamt in Dölau.
3. Dr. Herbert Brandt, 1895 geborener Chemiker verlegte 1937 den Sitz seines Unternehmens der Klebstoffproduktion nach Dölau, bis zu 12 Angestellte, sorgte 1945 für friedliche Übergabe Dölaus an die Amerikaner, war bis 1960 Betriebsleiter, verstarb 1978
4. Wilhelm Büsching, 1883 geborener Chemieingenieur gründete 1921 in Halle sein Ingenieurbüro, verlegte 1932 Wohn- und Geschäftssitz in die Baensche Villa nach Dölau, 50 Angestellte betreuten Baustellen in ganz Europa, war Inhaber zahlreicher Patente der Sprengstoffchemie, des Hüttenwesens und Holzvergasung, Firmensitz wurde 1945 Opfer angloamerikanischen Bombenangriffs, wurde durch amerikanische Besatzungsmacht in die Westzonen zwangsevakuiert
5. Wilhelm Hartmann, 1911 übernahm Wilhelm Hartmann sen. die Konditorei Ellemann in Dölau und erweiterte das Objekt mit einem Saal, weiteren Anbauten und 2 Biergärten, Konditorei und Café Hartmann konnte sich neben den 4 großen Ausflugsgaststätten behaupten, 1948 übernahm Konditormeister Wilhelm Hartmann junj. das Café und führte es auch unter der HO bis 1977, trotz formeller Namensänderungen behielt das beliebte Lokal bei den Dölauern bis heute den Namen Café Hartmann
6. Dr. Hermann Hennicke, erster praktischer Arzt und Geburtshelfer in Dölau, geboren am 10.05.1874, Studium und Promotion in Halle, 1904 Niederlassung in Dölau, zuständig auch für Lieskau, Lettin, Schiepzig, Brachwitz und Salzmünde, praktizierte bis 1951, verstorben am 12.02.1963
7. Clara Just (Mutter Just), 24.01.1004 – 13.12.2000, ihr Vater Karl Jung war seit 1910 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Dölau und langjähriger Wehrleiter, der Nachkriegswehrleiter Fritz Just sen. ihr Ehemann und auch ihr Sohn und Enkel waren Wehrleiter in Dölau, sie wohnte viele Jahre im Gerätehaus und kümmerte sich um alle Belange der Feuerwehr, gleichzeitig war sie Küsterin der evangelischen Kirche und verwaltete den Kirchfriedhof 8. Philipp Friedrich Krug von Nidda, Bergamtsdirektor in Wettin, 1736 Anzeige über Steinkohlefunde bei Dölau an preußischen König, Leiter der Erschließung und der Förderüberwachung von über 14, 100 m tiefen Schächten mit bis zu 40 Bergleuten im alten Revier nördlich von Dölau, bis zu seinem Tod
9. Bauer Ritschke, 1687 kam der Anspänner Peter Ritschke mit Familie nach Dölau, nach mehreren Erbfolgen hatte der Gutsbesitzer und Landschöppe Johann Philipp R. nur 9 Töchter, so dass der größte Hof in Dölau 1812 durch Heirat an den Bauern Henze ging, sein Bruder Johann Friedrich R. übernahm jedoch 1814 den Knaust-Hof, so dass ein Ritschke-Hof auch nach 1945 weiter existierte und zur Wende als Teil der LPG abgewickelt wurde. Mit dem Tod von Bauer Albert Ritschke 2001 endete die den Ort prägende Geschichte des Ritschke-Hofes.
10. Hilmar Thate, geboren am 17.04.1931 in Dölau, gestorben am 14.09.2016 in Berlin, bedeutender Schauspieler bei Theater und Film, war Mitglied des Berliner Ensemble, zweimaliger Nationalpreisträger der DDR, 1980 in die BRD übergesiedelt, erhielt den Adolf-Grimme-Preis und den Bayrischen Fernsehpreis
11. Rudolf Käubler (1904-1989), wohnte seit Mitte der 1950er Jahre mit seiner Familie in der Otto-Kanning-Straße. Rudolf Käubler stammte aus Niederdorf im Erzgebirge, studierte in Leipzig und wurde dort promoviert. Er habilitierte sich ebenfalls dort und war hernach an der Leipziger Universität als Dozent tätig. Käubler kam 1951 an die MLU und war von 1952 bis 1968 der letzte Ordinarius für Geographie an der MLU. Das Ordiariat war dort 1873 eingerichtet worden (2023: 150 Jahre Geographie an der MLU). Käubler wurde 1959 Mitglied der Leopoldina und er war 1970 zum Ehrenmitglied des Präsidiums der Akademie ernannt worden. Die Wende erlebte der Wissenschaftler nicht mehr. Seine Grabstätte, wie die seiner Frau und einer seiner Töchter befindet sich auf dem Dölauer Kirchhof.

12. An der Schamotte – Dieser Vorschlag ist die volkstümliche Bezeichnung der ehemaligen Ziegelbrennerei des unter Vorschlag 1 erwähnten Franz Baensch. Auf einem Teil dieses ehemaligen Areals sollen die Neubauten des Bebauungsplans „Wohngebiet Neuragoczystraße“ entstehen. Mit der Inbetriebnahme der Fabrik um das Jahr 1884 und des damit notwendigen Arbeitskräftebedarfs stieg die Einwohnerzahl Dölaus und gab dem damaligem Saalkreisdorf einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung.
13. Am Weißen Tonloch – Westlich des Territoriums des zukünftigen „Wohngebiet Salzmünder Straße“ (Bebauungsplan 200) lag ein im Volksmund als „Weißes Tonloch“ bezeichnetes Tonabbaugebiet. Eine Weiterverarbeitung des dort gewonnenen Tones erfolgte hauptsächlich in den örtlichen Fabriken der Familie Baensch. Anfang des 20.Jahrhunderts erwarb der Gastwirt des „Heideschlösschens“ Jessich dieses Flurstück. Hier fertigte er aus dem mittlerweile mit Wasser gefülltem und im Winter zugefrorenen Tonloch Eisblöcke zum Bestücken des Eiskellers seiner Gaststätte, um im Sommer die Getränke zu kühlen. In den Folgejahren wurde ein Teil der Flächen umzäunt und zur Geflügelzucht genutzt. Schließlich erfolgte eine Verfüllung des jetzt überwachsenen Areals. (B.W.)
