Karl-Heinz Hartmann
Lebensdaten
Karl-Heinz Hartmann
11.01.1935 – 17.10.2006
Kommt man mit Einwohnern eines Ortes über Geschichte und Menschen ins Gespräch, so wird oft über ein sogenanntes „Urgestein“ geredet. Um es vorwegzunehmen, ein solches war Karl-Heinz Hartmann. In seinen 71 Lebensjahren engagierte er sich viele Jahre ehrenamtlich und selbstlos für das kulturelle Leben in Dölau.
1935 wurde er in dem 1927 von seinen Eltern gebauten Haus im Heideweg geboren. Er wuchs in Dölau auf und besuchte hier die Schule. „Kalle war ein guter Kamerad, frei von Hinterhältigkeit und Intrige, pfiffig, ideenreich und fast immer gut gelaunt“, charakterisierte ihn sein Freund und Mitschüler Klaus Uhrbach.
Lokführer
Wie in dieser Zeit üblich, hieß es dann mit Abschluss der 8. Klasse eine passende Lehrstelle zu finden. Mit 14 Jahren begann er eine Lehre im RAW (Reichsbahn-Ausbesserungswerk) Halle. Als Lokschlosser arbeitete er nicht lange. Eine Werbeaktion der Bahn für Heizer von Dampflokomotiven war für den jungen Karl-Heinz Hartmann die Gelegenheit, in den Führerstand einer dieser großen Dampfmaschinen zu gelangen. Er sagte zu und begann als Lokhelfer auf einer dieser Lokomotiven. Es sollte für ihn eine Tätigkeit auf Lebenszeit werden.
Seine Liebe zur Bahn forderte ihn heraus. Er wollte nicht nur als Heizer im Führerstand tätig sein, sondern eine Lok selbst führen. Nach Probezeit und Qualifikation konnte er seinen Traum als Lokführer verwirklichen. In den folgenden Jahren beherrschte er die Technik der Diesel- als auch der Elektroloks.
Schallplattenunterhalter
Als er sich zum Gruppenlokführer qualifizierte, hatte er regelmäßige Arbeitstage und somit mehr Zeit für seine zweite Leidenschaft, die Musik. Er spielte zwar Akkordeon, fühlte sich jedoch zu der aufkommenden Unterhaltungsart des Schallplattenunterhalters, abgekürzt SPU, hingezogen (im Englischen: disc jockey, Kurzform: DJ; in der DDR hieß es „staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter“).
Karl-Heinz Hartmann absolvierte einen Eignungstest und einen Grundlehrgang mit anschließender staatlicher Prüfung bei dem dafür zuständigen Kreis- bzw. Stadtkabinett für Kulturarbeit. Als „staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter“ durfte er nun öffentlich Tonträger abspielen, musste jedoch regelmäßig an Weiterbildungsveranstaltungen teilnehmen, um seine Lizenz zu behalten. Die höchste Einstufung legte er 1980 ab.
Zum Einsatz kam er hauptsächlich am Wochenende. Im „Café am Heiderand“, im Dölauer Sprachgebrauch „Café Hartmann“ (der Besitzer Wilhelm Hartmann war nur ein Namensvetter), sorgte Karl-Heinz Hartmann für die musikalische Umrahmung der Tanzveranstaltungen. Nachdem sein Cousin Horst Hartmann 1977 das von der HO erworbene Restaurant als Leiter führte, setzte er die musikalische Unterhaltung fort.
Kulturarbeit und Karneval
1978 trat er dem Verkehrssicherheitsaktiv bei und übernahm den Bereich Kultur. Mit seinen Veranstaltungen sorgte damals das Verkehrssicherheitsaktiv für kulturelle Höhepunkte in Dölau (von Tanzveranstaltungen bis Rentnerfahrten). Die Organisation lag mit in den Händen von Kalle, wie er von seinen Freunden und Mitstreitern kurz genannt wurde.
Um das Kulturleben reicher zu gestalten, regte er beim Wohnbezirksausschuss der „Nationalen Front“ in Dölau die Gründung eines „Klubs der Werktätigen“ an. Als Leiter dieses Klubs bereitete er die Wiederbelebung der früheren Heidefeste im „Heidekrug“ vor. Schon 1982 fand in Dölau das 1. Heidefest statt. Die Heidefeste wurden in den Folgejahren über die Ortsgrenze Dölaus bekannt und erfreuten sich großer Beliebtheit.
Im Umfeld von Dölau gab es bereits seit Jahrzehnten einige Karnevalvereine. Dieses Metier begeisterte Kalle so sehr, dass er auch in Dölau die Gründung eines Karnevalvereins anregte. Dazu konnte er die Mitglieder des Verkehrssicherheitsaktivs überzeugen. „Die Mitglieder des Verkehrssicherheitsaktivs bildeten dann auch den Kern des ersten Elferrates unter Leitung seines Präsidenten Karl-Heinz Hartmann.“ Der „Carnevals Club Blau-Silber Dölau e. V.“ war wohl sein Lieblingskind. Hier engagierte er sich aufopferungsvoll bis zu seinem Tod.
Heimatverein und Tod
Erwähnenswert ist auch die Periode um 1990. Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik wurden die gesellschaftlichen Strukturen vollständig verändert. Der „Klub der Werktätigen“ musste aufgelöst werden. Um einen zukünftigen Träger für die kulturelle Arbeit in Dölau zu haben, gründete Karl-Heinz Hartmann am 10.08.1990 den „Heimatverein Dölau“, dessen Vorsitz er ebenfalls übernahm.
Mit seinem Tod im Jahre 2006 verlor Dölau einen Menschen, der nicht das Private in den Vordergrund stellte, sondern immer für andere zur Verfügung stand und versuchte, seinen Mitmenschen frohe und unterhaltsame Stunden zu verschaffen.
(B. W., Jan. 2018)
Anmerkungen
1) Die „Nationale Front“ war ein Zusammenschluss aller Parteien und Massenorganisationen in der DDR mit örtlichen Strukturen.
2) Weitere Informationen über den „Klub der Werktätigen“ findet man in Nr. 10 der „Dölauer Hefte“ (Dölauer Vereine).
3) Zitat aus „Dölauer Vereine“, S. 195 (Dölauer Heft Nr. 10).
