2004_GUSTAV_SCHMIDT_PL-v
Sehenswürdigkeit

Gustav-Schmidt-Platz

Bis 1875 Tongrube, später verfallenes Kleingewässer, heute begrünter Dorfplatz - benannt nach dem Sozialdemokrat Gustav Schmidt (Führer der halleschen Sozialdemokratie während der Sozialistengesetze).

51,51109
Breitengrad
11,88655
Längengrad

Kurzübersicht:

  • Bis etwa 1865: Grasfläche mit Wildbewuchs, Eigentum der Gemeinde Dölau
  • Ca. 1866: Beginnender Abbau von Ton
  • Ca. 1875: Einstellung des Tonabbaus. Entstehung eines Kleingewässers durch Grund- und Regenwasser
  • 1938: Verfüllung der ehemaligen Tongrube. Gestaltung als Dorf- und Aufmarschplatz für nationalsozialistische Organisationen. Benennung als Horst-Wessel-Platz
  • 1945: Umbenennung in Ernst-Thälmann-Platz
  • 1964: Umbenennung in Gustav-Schmidt-Platz

Geschichte

Ursprünglich war die Fläche des heutigen Gustav-Schmidt-Platzes eine Wiese südlich einer Erhebung von Porphyrfelsen (Bereich zwischen Hummelweg, Elbestraße, Stadtforststraße und Querstraße). Die heute bebaute Felsengruppe ist ein Überbleibsel der „Halle-Störung“, auch „Hallesche Marktplatzverwerfung“ genannt. Die Verwitterungsprodukte (Ton) der einst fast 1.000 Meter hohen Erhebung prägten die Geschichte Dölaus und damit auch des Platzes.
Aufzeichnungen für eine „Bodenkarte des Erd- oder Schwemm- und des Felslandes der Umgegend von Halle – Section Dölau“ aus den Jahren 1864/65 beschreiben diese Fläche als Heide. 1)

Überlieferungen berichten von einer ehemaligen Tongrube an dieser Stelle. Tatsächlich ist bereits auf einem Ortsplan von 1867 eine Tongrube vermerkt. 2) Ebenfalls wird von der Nutzung der mit Grund- und Regenwasser gefüllten Tongrube zur Wässerung von Bauholz im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts berichtet. Das würde bedeuten, dass zwischen 1866 und ca. 1875 hier Ton abgebaut wurde. Von diesen Informationen ausgehend, kommen zwei Abbaugründe infrage:
1. Im Jahr 1872 nahm die Schamottefabrik I ihren Betrieb auf. Für die Produktion notwendiger Ton wurde an verschiedenen Stellen im Umfeld abgebaut. So könnten relativ kleine Mengen von hier bezogen worden sein.

2. Die Einwohnerzahl des Ortes wuchs im 19. Jahrhundert durch das entstandene Großunternehmen und die Arbeitsangebote im Umfeld. Folglich stieg die Wohnungsnachfrage. Zu dieser Zeit war im Hausbau der Fachwerkbau mit seinen Lehmwänden noch weit verbreitet. So könnten Bauwillige den Ton zur Lehmherstellung aus dieser nahen Quelle bezogen haben.
Da zu vermuten ist, dass durch den hohen Grundwasserstand in diesem Bereich der Tonabbau aufwendiger wurde, stellte man die Arbeiten bald ein. Zudem war das unmittelbare Umfeld bereits erschlossen und eine Erweiterung der Abbaustelle nicht möglich. Übrig blieb ein „Dorfteich“, auch weiterhin als „Tongrube“ bezeichnet.

Umgestaltung 1938 (Zeitungszitat)

Erst im Jahr 1938 beschloss der Gemeinderat (Dölau gehörte zu dieser Zeit noch zum Saalkreis – heute Saalekreis) den Teich zu verfüllen. In einem Artikel des „Kreisblatt des Saalkreises“ vom 23.08.1938 wurde dazu Folgendes berichtet:
„In der gestrigen Sitzung der Gemeinderäte wurde … dem Plane, die frühere Tongrube zu einem Dorfplatz auszugestalten … zugestimmt. Die Anlage soll durch eine niedrige Ligusterhecke umgrenzt werden. An der Straße wird ein vier Meter breiter Rasen-Schutzstreifen ohne Anpflanzungen angelegt, damit die Sicht für Fahrzeuge in der Kurve frei bleibt.

Die Anlage beginnt 4,35 Meter hinter dem Hochbord, damit eine spätere Straßenverbreiterung nach den Vorschriften des Landesbauamtes (7 Meter Fahrbahn und 1,50 Meter Radweg und 1 Meter Fußweg) möglich ist. In der Mitte der Anlage ist ein Aufmarschplatz für Feierstunden von etwa 900 Quadratmeter vorgesehen, der 2500-3000 Personen fassen kann. Seitlich wird die Anlage durch Hecken und Zierstrauchpflanzungen begrenzt. Der Höhenunterschied zwischen Aufmarschplatz und dem seitlichen Fußweg wird durch Anlegen von Treppen und Trockenmauern ausgeglichen. Die Trockenmauern sollen in Thaumaer Natursteinen ausgeführt und durch alpine Anpflanzungen belebt werden. Die ganze Anlage soll ein Schmuckstück in dem sogenannten Alt-Dölau werden.“

Umbenennungen

Mit der Fertigstellung erhielt er den Namen Horst-Wessel-Platz (Sturmführer einer Berliner Sturmabteilung in der Zeit des Faschismus). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte 1945 die Umbenennung in Ernst-Thälmann-Platz (Vorsitzender der KPD bis 1945). Zur Vermeidung von Doppelbenennungen der Straßen und Plätze in Halle kam es nach dem Stadtratsbeschluss vom 04.12.1963 zur Umbenennung in Gustav-Schmidt-Platz (Führer der halleschen Sozialdemokratie während der Sozialistengesetze 1878-1890). Nach der Umgestaltung als Spielplatz ist dieser zentrale Platz ein Treffpunkt für Kinder und Erwachsene.

Quellen

Quellen:
1) Bodenkarte des Erd- oder Schwemm- und des Felslandes der Umgegend von Halle – Section Dölau, Stich des geogr. lithogr. Inst. von Jul. Straube in Berlin, Verlag von Wiegandt Hempel & Parey in Berlin 1865
2) Deutsch/Kästner/Wissenbach, Die Dölauer Agrargeschichte – Dölauer Heft Nr. 8, S. 58 Abb. 21 Ortsplan von 1867 mit den vier Siedlungskernen, Schäfer Druck & Verlag GmbH 2015

3) Fotonachweis: Bilder 1 & 2 Archiv Bernd Wolfermann, Bilder 3 & 4 Postkartensammlung Frau Marga Hennicke

Lage auf der Karte