Hans Joachim Schramm
Lebensdaten
Hans Joachim Schramm
11. Dezember 1930 – 11. Juni 2023
Porträt
Wenn Sie sich für Sagen, Erzählungen, interessante Begebenheiten aus der Region oder die Geschichte von Dölau interessieren, so ist Ihnen Hans Joachim Schramm garantiert ein Begriff. Der 1930 in Halle (Saale) Geborene hat in seinem Leben viele Geschichten und Märchen geschrieben und Zeichnungen sowie Aquarelle geschaffen. Selbst so manches handgeschnitzte Kunstwerk trägt die Initialen des Allroundkünstlers aus der Stadtforststraße in Dölau.
Aufgrund seiner künstlerischen Fähigkeiten, die seine Mutter frühzeitig erkannte, konnte er im Herbst 1945 eine Lehre als Goldschmied an der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle (heute Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle) beginnen. Nach dem Abschluss dieser Ausbildung bot sich für ihn die Möglichkeit, die künstlerische Ausbildung fortzusetzen und auf anderen Gebieten Erfahrungen zu sammeln. Er lernte in der Malerklasse von Professor Haas. In der Klasse der Bildhauerei studierte er Metallbildhauerei sowie Grafik bei Professor Post und erlernte das Kunstgießen bei Herrn Näher.
Nach dem 10. Semester konnte er schließlich seine erste Stelle als Goldschmied beginnen. Da es in den 50er-Jahren noch schwer war, seine Existenz mit einem solchen Handwerk abzusichern, musste er sich beruflich neu orientieren. Deshalb nahm er die Stelle als Werbeleiter bei der HO im Saalekreis an. Als sich nach Jahren die Möglichkeit bot, wieder als Goldschmied zu arbeiten, nutzte er diese Chance, um seine Leidenschaft zum künstlerischen Handwerk zu befriedigen.
Neue Inspirationen bekam er durch seine Frau Karin, die er im Erzgebirge kennenlernte. Sie machte ihn mit dem Werkstoff Holz vertraut und inspirierte Hans Joachim Schramm, seine handwerklichen Fähigkeiten hier anzuwenden. Dies war eine Bereicherung für die von seiner Frau im Jahr 1974 in Dölau gegründete Werkstatt für Kunstgewerbe. Aus schmucklosen Baumstämmen schnitzte er Eulen, Hirsche, Wildschweine, Steinböcke u. a. Skulpturen. Für Tierfreunde fertigte er zur Erinnerung lebensgroße Nachbildungen von den verstorbenen Lieblingen auf Basis von Fotos an.
Als kleine „Serienproduktion“ wurden zu DDR-Zeiten Nussknacker und Lichterengel gefertigt. Später wurde der Nussknacker durch eine kleine Pyramide ersetzt. Nach der Wende fanden Urlauber aus den USA, Japan und Frankreich Gefallen an den Holzarbeiten. Die verkauften Einzelexemplare wurden Botschafter der Holzschnittkunst aus Dölau. Auf diese Weise kamen Nachfragen aus diesen Ländern und trugen so die Zeugnisse der Schrammschen Kunst über Tausende Kilometer in ferne Länder.
Seine Liebe gilt jedoch nicht nur der Schnitzkunst. Seine zweite Berufung sind das Schreiben und Zeichnen. Die Freude zum Zeichnen, die seit den Kinderjahren in ihm steckt, ist bei allen Orientierungsversuchen nicht verloren gegangen. Schon nach seiner Ausbildung hat Hans Joachim Schramm zahllose Illustrationen für Bücher und Journale angefertigt. Neben den vielen Zeichnungen, die wir in den „Dölauer Heften“ finden, gab er zahlreichen Büchern ein schöneres und interessanteres Aussehen.
Mit einem aufmerksamen Ohr für das Leben der Menschen hat er Geschichten und Sagen des Volkes zu Papier gebracht und auch eigene Geschichten geschrieben. Diese Sagen und Erzählungen wurden mit seinen Zeichnungen illustriert. Ein Beispiel dafür ist sein Buch „Sagen der Dölauer Heide“. Im Laufe der Jahre ging sein Blick weit über die halleschen Grenzen hinaus. Geschichten über die Uckermark, das Erzgebirge gehörten ebenso zu seinen Werken wie Bücher über die „Randfichten“ oder die Moderatorin im MDR-Fernsehen Marianne Martin mit der Sendung „So klingt’s bei uns im Arzgebirg“.
Werke (Auswahl)
Werke von Hans Joachim Schramm:
- Sagen der Dölauer Heide, Verlag Freiheit Halle 1970
- Sagen aus dem Saalkreis, Verlag Freiheit Halle 1970
- Von der Dölauer Heide bis Rothenburg/S. – Geschichten und Sagen, Verlag Bodo Schwarzberg Halle 1982
- Geheimnisse der Uckermark, Eigenverlag 1983
- 100 Jahre Bäderbahn, Chronik der 900-mm-Schmalspurbahn Bad Doberan-Kühlungsborn, Verlag Kulturbund der DDR 1986
- Hallesches Magazin 1993-94, Verlag c/o Votum GGR
- Von der Saalkreisgemeinde Teicha zum Petersberg. Sagen – Bräuche – Geschichten, Verlag Bodo Schwarzberg, Halle 2002
- Die Wichtel der Dölauer Heide, Kinderbuch, Druckerei Schulz Teicha 2003
- Sagenhaftes aus Landsberg (Heft 1 und 2), Verlag Bodo Schwarzberg Halle 2004
- Zauberhafte Dölauer Heide – Sagen und Erzählungen, Projekte-Verlag Halle 2005
- Hoppel und Moppel die Hasenkinder (Heft 1 und 2, Kinderbuch), Projekte-Verlag Halle 2005
- Der Wiesenkooz und andere Geschichten, Projekte-Verlag Cornelius Halle 2006
- Stadt Landsberg. Erzählungen und Geschichten aus dieser Saalekreisregion, Verlag Bodo Schwarzberg, Halle 2007
- Die Geschichte der Eselsmühle Halle-Neustadt und zwei Fabeln, Druckerei Schulz Teicha 2008
- Mit Mariane Martin durchs Zwönitztal, Geschichten aus dem Erzgebirge, Projekte-Verlag Halle 2009
- Der Schneckenchecker und andere Erzählungen aus Halle-Neustadt, Projekte-Verlag Halle 2009
Wir danken Herrn Schramm für die bereitgestellten Informationen. (Fotos: B. Wolfermann)
